Aktion gegen Gewichtsdiskriminierung

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Update

Am 23. Januar 2020 erhielten wir per Mail eine Antwort der Genossenschaft Migros Zürich stellvertretend für Activ Fitness. Auf unsere Forderungen will Migros / Activ Fitness nicht eingehen.

Am Freitag 24. Januar, wurde unsere Kritik vom Schweizer Online-Magazin persoenlich.com aufgegriffen.

Migros äusserte stellvertretend für das Tochterunternehmen ACTIV FITNESS Unverständnis gegenüber der Aktion. Das Plakatmotiv sei ein Lösungsvorschlag für die Weihnachtspfunde mit „einem Augenzwinkern“.

Die Abwertung und das Lächerlichmachen des dicken Körpers als Motivation? Das klingt nach der Light-Variante von „der Zweck heiligt die Mittel“ und der in den Hass-Netzwerken vertretenen These, dass es #Fatshaming braucht, um dicke Menschen für Sport zu begeistern.

In jedem Fall lässt diese Reaktion keine der Werte erkennen, mit denen beide Unternehmen für sich werben: weder den im Leitbild der Fitness-Kette zugesicherten Respekt, noch den Anspruch „bei uns steht nicht der Profit im Zentrum, sondern der Mensch“ von Migros.
Beides würde #weightinclusive Angebote und #Bodyrespect gegenüber der Kundschaft erfordern.


Eine Aktion von Yes2Bodies und der
Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung.
Design: Natalie Rosenke

Es ist wieder soweit: Die Fitnessstudios blasen zum Angriff auf den Winterspeck und überbieten sich in der negativen Darstellung des dicken Körpers. Platz 1 geht dieses Mal an ACTIV FITNESS, wie wir finden.

In der Kampagne „Weg mit dem Weihnachts­schmuck!“ stellt die Kette dicke Menschen als Weihnachtskugel dar. Auf einen Kopf wird dabei bewusst verzichtet. Zurück bleibt ein Rumpf, der als unpersönliche Masse ins Szene gesetzt wird. Eine beliebte Form der entmenschlichten Darstellung, die als #headlessfatty bekannt ist.

Das Studio setzt auf #Körperhass als Motivation für die Mitgliedschaft, und das sowohl in Bezug auf den eigenen Körper – sich dick fühlen genügt – als auch auf den dicken Körper ganz allgemein. ACTIV FITNESS trägt damit zur Stigmatisierung des dicken Körpers bei.

Dem wollen wir uns entgegenstellen! In Zusammenarbeit mit der Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung aus Deutschland, ist daher die Aktion „Weg mit der Gewichtsdiskriminierung!“ entstanden.

Als ich diese Werbung sah, war ich sehr schockiert. Ich fühlte mich angegriffen, als ob mir jemand sagen würde: „Nimm den Dicken, geh ins Fitnessstudio, du brauchst das“. Mir war nach Schreien und Weinen zugleich, ich fühlte mich gedemütigt. Denn ja, ich bin dick, mein Körper sieht aus wie der Weihnachtsschmuck, den man in den Schrank stellen sollte. Aber ich liebe meinen Körper, und ich finde ihn schön, so wie er ist, ich bin dick und war schon immer dick, das ist Teil meiner Identität!

Sinngemäss aus dem französischen übersetzt

Wer steckt hinter der Kampagne?

Klicken zum vergrössern

Die Active Fitness AG ist verantwortlich für die Kampagne. Activ Fitness ist eine Tochtergesellschaft der Genossenschaft Migros Zürich. Für das Marketing verantwortlich ist Zürchermarketing.

Wer hat die Gegenaktion gemacht?

Die Gesellschaft gegen Gewichtsdiskriminierung aus Deutschland hat Yes2Bodies bei der Aktion „Weg mit der Gewichtsdiskriminierung“ unterstützt.

Mehr Details…

Warum die Kampagne von Activ Fitness problematisch ist

„Headless Fatty“: In dieser Werbung wird ein „kopfloser Dicker“​1​ symbolisch als Weihnachtskugel dargestellt und auf ein Objekt reduziert. Dicke Menschen werden dadurch gezielt entmenschlicht und zum Zweck des Verkaufs Spott ausgesetzt. Die Würde von dicken Menschen wird dadurch verletzt.

Dehumanisierung von dicken Menschen wie hier durch den „Headless Fatty“ und die Darstellung als Objekt (Weihnachtskugel) kann Misshandlungen fördern, erleichtern und/oder rechtfertigen.​2​

Aufruf «Weg mit dem Weihnachtsschmuck / Dicken!»

Die Aufforderung „Weg mit dem Weihnachtsschmuck“ kann als „Weg mit den Dicken“ verstanden werden. Dies kann als Aufruf zu physischer und psychischer Gewalt gegen dicke Menschen interpretiert werden. Wenn man eine andere Minderheit in diesen Kontext bringt, kann man das Problem deutlich sehen.

Die französische Kampagne „Au placard la déco de noël“ heisst sinngemäss „In den Schrank mit dem Weihnachtsschmuck“, welches die gleiche Botschaft vermittelt und zusätzlich die Dicken auffordert, sich im Schrank zu verstecken.

Was sagen Fachpersonen zu der Kampagne von Activ Fitness?

Ich habe Frau Dr. med. Dagmar Pauli, Chefärztin Kinder- und Jugendpsychiatrie Psychiatrische Universitätsklinik Zürich, Autorin des Buches „Size Zero“, angeschrieben und nachgefragt:
„Welche Auswirkungen hat diese Form von Werbung auf Jugendliche?“

Werbungen, die füllige Körperformen abwerten, gehören auf den Müllhaufen der Werbegeschichte! Sie bewirken bei jungen Menschen vermehrte Selbstzweifel und können Depressionen und Essstörungen fördern.

Das komplette Statement findest du auf Statements von Fachpersonen.

„Nimm das doch nicht persönlich, die meinen doch nur den Bauch!“

Unsere Speckrollen, wie unschön sie in unserer Kultur auch gelten, sind Teil unseres Körpers und deshalb Teil der Identität. Wir Dicken haben einen Kopf, Herz und Verstand!

Die Würde ist als Grundrecht in der Schweizer Bundesverfassung verankert und gilt für ALLE!

Aggressive unvermeidbare Werbung

Activ Fitness setzt komplett auf bezahlte Ads: In allen Social Media Kanälen wird man mit der Werbung konfrontiert. Grosse Plakate hängen in der Stadt und an Bahnhöfen. Am Bahnhof ist die Werbung zusätzlich auf riesengrossen Screens als Animation zu sehen. In Genf ist die Werbung im Tram aufgehängt. Als i-tüpfelchen wurden auch noch Flyer an Passanten verteilt.

Je nach Wohnort ist es völlig unmöglich dieser Kampagne zu entkommen!

In den Worten von APG|SGA Rail AG und der SBB: „Ein Plakat ist ein starkes und wirkungsvolles Medium. Es kann nicht abgeschaltet, überlesen oder überhört werden sondern garantiert eine flächendeckende Präsenz in der Aussenwerbung […]“.

That poster is a repeated assault. It’s someone yelling continuously that I have no right to love myself, no right to go out, no right to exist, all because I’m fat. It’s violence. It’s spitting in my face.

Weshalb wir uns als Gesellschaft gegen solche Kampagnen zur Wehr setzten müssen

Die Kampagnen schürt Körperhass als Motivation für eine Mitgliedschaft im Fitnessclub. Das ist inakzeptabel.

Activ Fitness hat eine Verantwortung gegenüber der Öffentlichkeit, besonders gegenüber der Jugend. Sport ist für ALLE Menschen, unabhängig vom Gewicht. Dicke Menschen auszuschliessen, während man sie gleichzeitig zur Werbung für diese Räume nutzt, ist nicht nur respektlos, sondern auch schädlich. Profit darf nicht wichtiger sein als die psychische Gesundheit der Bevölkerung.

Gewichtsstigmatisierung, schlechtes Körperbild und Essstörungen haben in den letzten Jahren zugenommen und diese Werbung fördert die Selbststigmatisierung von dicken Menschen und die Angst davor, dick zu werden, was zu allen möglichen schädlichen Verhaltensweisen führen kann.

Internationale Studien zeigen, dass bei jungen Menschen dick sein der häufigste Grund für Hänseleien und Mobbing ist.​3​

Dieses Poster gibt meiner Essstörung eine Stimme.
Dieses Poster ist eine Beleidigung für meine psychische Gesundheit.

Lasst uns Dicke in Ruhe!

Wie weiter?

Am 22. Januar 2020 hat Activ Fitness und ZürcherMarketing ein Schreiben von uns erhalten. Per Mail wurden die Briefe an die PR Leitung der Migros Genossenschaft Zürich und die APG|SGA Rail AG, welche für die Schweizer Bahnhofswerbung zuständig ist, zugestellt.

Wir fordern von Activ Fitness eine öffentliche Entschuldigung, sowie das Versprechen, diese Kampagne oder jegliche Werbung, die diese Art von Botschaft vermittelt, nie wieder zu verwenden.

Von der APG|SGA Rail AG und der SBB erwarten wir, dass die Bahnkunden in Zukunft vor diskriminierender und abwertender Werbung geschützt werden!

Ich sehe dieses Plakat ständig und überall. Am Bahnhof, beim Spaziergang durch die Stadt, auf Spotify, auf YouTube, es drängt sich mir auf, egal was ich tue. Ich wünschte, ich könnte es vermeiden, es lässt meine Haut kribbeln, als würden tausende kleine Insekten darauf herumkrabbeln. Am liebsten würde ich mir die Haut abreissen, damit ich nicht mehr in meinem Körper bin.

So fühle ich mich wenn ich es sehe.

Am 23. Januar erhielten wir per Mail eine Antwort der Genossenschaft Migros Zürich stellvertretend für Activ Fitness. Auf unsere Forderungen will Migros / Activ Fitness nicht eingehen.

Am Freitag 24. Januar, wurde unsere Kritik vom Schweizer Online-Magazin persoenlich.com aufgegriffen.

Migros äusserte stellvertretend für das Tochterunternehmen ACTIV FITNESS Unverständnis gegenüber der Aktion. Das Plakatmotiv sei ein Lösungsvorschlag für die Weihnachtspfunde mit „einem Augenzwinkern“.

Die Abwertung und das Lächerlichmachen des dicken Körpers als Motivation? Das klingt nach der Light-Variante von „der Zweck heiligt die Mittel“ und der in den Hass-Netzwerken vertretenen These, dass es #Fatshaming braucht, um dicke Menschen für Sport zu begeistern.

In jedem Fall lässt diese Reaktion keine der Werte erkennen, mit denen beide Unternehmen für sich werben: weder den im Leitbild der Fitness-Kette zugesicherten Respekt, noch den Anspruch „bei uns steht nicht der Profit im Zentrum, sondern der Mensch“ von Migros.
Beides würde #weightinclusive Angebote und #Bodyrespect gegenüber der Kundschaft erfordern.

Wie du mithelfen kannst

Teile die Kampagne auf Social Media. Folge Yes2Bodies auf Facebook und Instagram, dort findest du die nächsten Tage diverse Beiträge die du teilen kannst.

Das Bild kannst du gerne hier downloaden und teilen.

Unterstütze die Menschen in deiner Umgebung. Speziell die dicken Menschen, Freunde mit einer Vorgeschichte oder aktuellen Essstörung und alle Menschen, welche unzufrieden mit dem Körper sind.

Schreibe einen eigenen Brief an Activ Fitness.

Kunden von Activ Fitness

Gib Activ Fitness ein Feedback (anonym, falls du dich damit wohler fühlst). Setze dich ein gegen jede Form von Diskriminierung und Body Shaming. Danke!

Mitarbeiter von Activ Fitness

Als Trainer und Coaches liegt euch das Thema Gesundheit bestimmt sehr am Herzen. Dies verpflichtet euch dazu, Gesundheit zu fördern und keinen Schaden anzurichten. Mit dieser Kampagne passiert genau das Gegenteil. Gewichtsdiskriminierung und Körperhass löst im Körper eine ganze Kette von Stressreaktionen aus, mit vielen negativen Konsequenzen für die physische und psychische Gesundheit der Passanten und euren Kunden. Dicke Menschen dünn zu hassen funktioniert nicht.

Bitte setzt euch ein für ein Klima von Respekt – im Sportstudio und auf der Strasse!

Für dich, wenn du unter dieser Kampagne leidest

Wir sehe den grossen Schmerz, Scham und Wut die diese Kampagne verursacht. Du bist nicht alleine. Du bist wertvoll und wichtig, genau so wie du bist!

Bitte, rede darüber mit deinen Freunden oder kontaktiere eine Fachstelle und frag um Hilfe.

Organisiere Räume welche frei sind von Diät Talk und negativem Body Talk.

Willst du mithelfen dich für Body Respect und gegen Body Shaming einzusetzen? Melde dich an für den Newsletter und sei dabei beim nächsten Event von Yes2Bodies.

Rant

Du möchtest gerne los werden wie sehr dich diese Kampagen nervt? Das darfst du sehr gerne in den Kommentaren.

Quellenangaben

  1. 1.
    Cooper C. Headless Fatties’ [Online]. London. Available: http://charlottecooper.net/fat/fat-writing/headless-fatties-01-07/. Published 2007.
  2. 2.
    Kersbergen I, Robinson E. Blatant Dehumanization of People with Obesity. Obesity. April 2019:1005-1012. doi:10.1002/oby.22460
  3. 3.
    Puhl R, Latner J, O’Brien K, Luedicke J, Forhan M, Danielsdottir S. Cross-national perspectives about weight-based bullying in youth: nature, extent and remedies. Pediatr Obes. 2016;11(4):241-250. doi:10.1111/ijpo.12051

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